Orgeln auf Herz und Nieren geprüft

Die Sachverständige Natalia Gvozdkova an der Orgel in der Wüppelser Kirche. 

Die Orgel der Wüppelser Kirche. Der Prospekt stammt aus dem Jahr 1795.

Deutschland hat mit rund 50 000 Instrumenten die höchste Orgeldichte der Welt. Im Bereich der Oldenburgischen Landeskirche erklingt die „Königin der Instrumente“ in allein 117 Kirchen. Ein Schatz, den es zu bewahren gilt, auch wenn nicht alle Orgeln aus den Werkstätten renommierter Orgelbauer wie Joachim Kayser (gest. 1720) oder Arp Schnitger (1648-1719) stammen.

Aufgrund ihres Alters und ihres Standortes wollen die Instrumente regelmäßig gewartet werden. Dabei bleibt es nicht aus, dass es oftmals mehr als nur einer kleinen Reparatur bedarf. Das ist der Zeitpunkt, an dem Natalia Gvozdkova eingeschaltet wird. Sie erhielt 2014 bei der  Landeskirche eine halbe Stelle als Orgelsachverständige. Die studierte Kirchenmusikerin ist die erste, die bei der Landeskirche in diesem Umfang als Sachverständige tätig ist. „Die Nachfrage ist groß“, erklärt sie.

Auf Anforderung der Kirchengemeinden hat sie jetzt die Instrumente in Pakens, St. Joost und Wüppels begutachtet, in die vielleicht einmal wieder investiert werden müsste. Die Gemeindebrief-Redaktion traf die Expertin in der Wüppelser Kirche. „Zu jeder Zeit, bis heute, ist die Orgel das größte, komplexestes und teuerste Instrument der Welt“, sagte Natalia Gvozdkova. Allein dadurch gehe von der „Königin der Instrumente“ eine große Faszination aus. Hinzu komme die enorme Vielfalt ihrer Klangfarben. Jedes Register für sich entspreche quasi einem Musikinstrument.  Die sieben Register der Wüppelser Orgel zum Beispiel, die sich untereinander ja auch noch kombinieren ließen, „sind dann schon ein kleines Orchester“, so die Kirchenmusikerin. Wesentlich beim Begutachten einer Orgel sei ihr Klang, erklärte sie weiter. Sämtliche Bestandteile des Instruments, von den Pfeifen über das Gehäuse bis zu den Tasten, untersucht die Sachverständige auf deren Eigenschaften und deren Zustand hin. Sollte eine Begutachtung in eine Instandsetzung münden, begleitet Natalia Gvozdkova die gesamte Maßnahme.

Orgelmusik und Orgelbaukunst sind 2017 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erklärt worden. Eine große Anerkennung, das sieht auch Natalia Gvozdkova so. „Das Instrument wird die Menschen auch weiterhin faszinieren“, ist die Kirchenmusikerin sicher, gerade werde es wiederentdeckt.

Dörte Salverius

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